Was spricht gegen den Kauf im Zooladen?

Die Argumente gegen Zooladenkäufe lassen sich in mehrere Gruppen aufteilen:

  • Gruppe 1: Was man selbst beim Zooladenbesuch als Kunde sehen kann
  • Gruppe 2: Was dort im für Kunden nicht zugänglichen Bereich passiert
  • Gruppe 3: ethische Gründe.

Zunächst sei gesagt, dass es schlimme, weniger schlimme und sogar beinahe gute Zooläden gibt. Dennoch ist es wichtig, sich im Voraus zu informieren und sich nicht allein vom eventuell ansprechenden Äußeren blenden zu lassen.

Der Verkaufsraum

Die Haltung in Zooläden kann sehr unterschiedlich sein: Meistens werden die Verkaufstiere in Glasterrarien gehalten, die ggf. extra beleuchtet werden können. Glasterrarien bieten sich für den Verkäufer an, damit der potentielle Käufer die Tiere bestmöglich sehen kann. Wer möchte schon eine Ware(ein Tier aus dem Laden ist nichts anderes) kaufen, die man nicht sieht?
Aus eben diesem Grund ist auch die Einrichtung mit Inventar oft sehr sparsam. Ein Futternapf, eine Wasserquelle, vielleicht noch ein Unterschlupf - das ist die Standarteinrichtung. Als Käufer sollte man bedenken, dass eine solche Haltung unweigerlich Stress bei den Tieren auslöst. Sie können ihrer natürlichen Scheu nicht nachgeben und sich verstecken (die Möglichkeit dazu fehlt, der kleine Unterschlupf bietet ihnen selten genügend Sicherheit). Durch die Beleuchtung der Verkaufsbecken und durch den „Durchgangsverkehr“ der Kunden erhöht sich der Stressfaktor für (v.a. nachtaktive) Tiere immens.
Auch sei erwähnt, dass die Belüftung in diesen Verkaufsbecken miserabel ist und die Tiere dadurch vor allem in heißen Sommermonaten extremer Hitze ausgesetzt sind. Bei der Größe der Becken muss der Zooladen offensichtlich Kompromisse eingehen: Zu große Käfige verschwenden nur Verkaufsfläche. Daher werden die Unterbringungen so klein wie möglich gestaltet. Desweiteren werden oft zu viele Tiere auf zu wenig Raum gehalten. Möglichst wenig Platzverschwendung und möglichst viele verkaufbare „Produkte“ steigern den Gewinn. Und darum geht es dem Laden. Dass das nicht artgerecht ist, liegt auf der Hand.
:!: Die Folgen einer solchen Unterbringung sind fatal: Verhaltensstörungen, Verletzungen, Krankheiten und/oder Tod sind nicht selten.

Wie bereits erwähnt, gilt es, die Aufwandskosten (= was der Laden finanziell für die Versorgung der Tiere aufbringen muss) möglichst gering zu halten, damit der Gewinnfaktor zum einen überhaupt erst vorhanden ist und zum anderen möglichst groß ausfällt: Das Futter ist oft minderwertig; hochwertiges, teures Futter schmälert die Gewinnausbeute. Zudem fehlt in den meisten Fällen eine tierärztliche Grundversorgung. Zum Teil wird sogar versucht, selbst offensichtlich kranke Tiere zu verkaufen. Klappt das nicht, werden die Tiere als Reptilienfutter verwendet. Eine tierärztliche Versorgung lässt sich nicht über den Verkaufspreis einer Maus decken und fällt daher komplett aus.

Die Verkäufer

Auch hier gibt es qualitative Unterschiede: Es gibt Verkäufer, die sich redlich bemühen. Dennoch verfügt ein Großteil nur sehr begrenztes Wissen über die einzelnen Tierarten, die sie verkaufen. Um Kunden entsprechend beraten zu können, wäre eine Fortbildung nötig, das kostet jedoch Zeit und Geld, ist unwirtschaftlich und wird daher nicht durchgeführt.
Die Folge sind schlecht informierte Verkäufer, die ihr mangelhaftes Wissen an den Kunden weitergeben. Käufer sind daher oft geschockt, wenn sie merken, wie sie massiv falsch informiert und beraten wurden. Mäuse brauchen einen großen Käfig? Mäuse brauchen am besten selbstgemischtes Futter? Mäuse darf man nicht einzeln halten? Mäuseböcke müssen kastriert werden? Das sind nur einige beispielhafte Fragen, die zeigen, welche Fehlinformationen im Laden verbreitet werden.
Die nicht ausreichende Ausbildung des Fachpersonals zeigt sich auch noch auf einem andern Gebiet: Die Geschlechtertrennung. Entweder, sie wird gar nicht praktiziert oder es wird falsch getrennt. Daraus resultierende Folgen: Schwanger gekaufte Weibchen, anstatt einer gleichgeschlechtlichen Gruppe wird eine gemischtgeschlechtliche Gruppe erworben (und der Käufer hat daheim somit auch beinahe zwangsläufig wieder schwangere Weibchen) oder man erhält anstatt einer reinen Weibchengruppe nur Böckchen. Die daraus folgenden Würfe und Kosten ( Kastration) treffen den Besitzer oft unerwartet und ungeplant. Nicht selten landen die ungewollten Tiere im Tierheim, im Zooladen, in dem man die Elterntiere gekauft hat, bei Freunden und Bekannten, die sich meistens ebenso wenig auskennen, oder werden im schlimmsten Fall ausgesetzt.

:!: Sollten auch Sie ungewollten Nachwuchs haben oder eine Gruppe mit gemischten Geschlechtern, dann wenden Sie sich gerne an die Benutzer unseres Forums , dort werden Sie Hilfe beim weiteren Vorgehen und ggf. bei der Vermittlung der Tiere finden.

Das Hinterzimmer

Einige Zooläden ziehen den Bedarf an Verkaufstieren selbst heran, andere bestellen diese beim Großhändler. Egal, ob intern oder extern: Es sieht im Prinzip überall ähnlich aus.
Die Vorgehensweise hierbei ähnelt weitaus mehr einer Fließbandproduktion als einer vernünftigen Zucht: Ähnlich wie die Verkaufsbecken sind die Zuchtunterbringungen winzig. Teilweise werden die Zuchtweibchen in kleinen Plastikbehältnissen gehalten (= keine Platzverschwendung) ohne eine Rückzugsmöglichkeit.Die Weibchen sind dauerschwanger, die zwingend nötigen Zuchtpausen existieren nicht. Das wäre schließlich eine produktionsfreie Zeit und die kann man sich nicht leisten, wäre verschenktes Geld. Es wird in Kauf genommen, dass die Zuchtweibchen an Erschöpfung nach 4-6 schlecht entwickelten Würfen sterben, als das man ihnen die nötigen Wochen Wurfpause gönnt. Stattdessen wird der heranwachsende Wurf zu früh von der Mutter getrennt, sodass diese den neugeborenen Wurf versorgen kann.
Gutes Trockenfutter, Frisch- und Eiweißfutter sucht man auch hier vergebens (kostet wiederrum Geld), ebenso wie die tierärztliche Versorgung.
Gezielte Auswahl der Elterntiere gibt es nicht. Es wird nicht auf Vitalität, Gesundheit und Charakter gezüchtet, sondern rein auf optische Merkmale. Hierbei gilt: Je ausgefallener, desto besser. Daher ist es keine Seltenheit, dass in Zooläden Qualzuchten wie Lockenmäuse, Langhaarmäuse etc. verkauft werden. Schließlich lassen sich besonders extravagant-aussehende Mäuse schneller verkaufen..
:!: Die schlechten Startvorraussetzungen und die daraus entstehenden Folgen für den Nachwuchs sind offensichtlich: Kleinwüchsigkeit, enorme Krankheitsanfälligkeit, schlechte Sozialisierung sind nur einige Folgen der Vermehrung.

Ethische Gründe

Oben erwähnte Argumente mögen manche Halter zu folgendem Gedankengang veranlassen: „Wenn die Haltung und Versorgung der Tiere dort so schlecht ist, dann muss man doch erstrecht dort so viele Tiere wie möglich freikaufen.“ Oder auch: „Im Zooladen bei mir in der Stadt sieht das so nicht aus.“
Doch hierbei wird nicht beachtet, dass der Tierverkauf ein Fass ohne Boden ist: Für jedes „freigekaufte“ Tier rutscht nicht ein, sondern meist zwei oder drei Tiere nach. Denn: Der Verkauf läuft und als Verkäufer will man immer genügend „Ware“ im Angebot haben. Man unterstützt also die tierwidrige Nachproduktion, obwohl es bereits ein Überangebot gibt und zahlreiche Mäuse in Tierheimen sitzen. Diese zwei oder drei Tiere, die nachrücken, landen mit 95%iger Wahrscheinlichkeit nicht beim verantwortungsvollen Halter, sondern entweder im sogenannten Kinderzimmerknast oder im Schlangenmagen.
Außerdem muss man bedenken, dass man mit jedem freigekauften Tier oben beschriebene Zustände unterstützt. Man zahlt dem Verkäufer Geld für die schlechte Haltung, die schlechte Versorgung und die tierwidrigen Umstände. Außerdem nimmt jede Zooladenmaus einer Tierheimmaus ein potentielles Zuhause weg.
Man besiegelt also mit einer freigekauften Maus das Schicksal von mindestens 4 weiteren Mäusen: Von den 3 nachrutschenden Mäusen im Laden und von der Tierheimmaus, die weiter auf ein gutes Zuhause warten muss. Evtl sogar noch von 6-10 weiteren Mäusen, nämlich von denen, die aus einer Zooladenschwangerschaft resultieren und dann in den Laden zurückgebracht werden oder im Tierheim landen.
Wie es um die Nachproduktionsstätten bestellt ist, kann man unter http://gegen-zooladekaeufe.cms4people.de/index.html recht anschaulich sehen. Wer Tiere im Zoogeschäft kauft, ist mitschuldig daran, dass Tiere unter so widerwärtigen Bedingungen leben müssen.

:!:Darum bitten wir Sie erneut: Kaufen Sie keine Tiere im Zooladen! :!:

Was tun, wenn man schon Tiere im Zooladen gekauft hat?

Viele Halter machen zu Beginn der Haltung die gleichen Fehler, kaufen Mäuse in Zoohandlungen, halten sie in zu kleinen Käfigen, ernähren sie falsch etc. Seien Sie also beruhigt: Sie stehen mit ihren Fehler nicht alleine da.
Die wichtigsten Dinge, die Sie wissen und kontrollieren sollten, wenn Sie Tiere aus der Zoohandlung gekauft haben:

  • Trächtigkeit: Haben Sie ungewollt doch Männchen und Weibchen gekauft, müssen Sie damit rechnen, dass das Weibchen trächtig ist. Hier erfahren sie, wie sie die werdenden Mütter am besten versorgen: Trächtigkeit Farbmaus und Trächtigkeit Rennmaus
  • Parasiten: Oftmals schleppt man sich aus Zooläden Parasiten wie Milben, Flöhe oder Haarlinge ein. Wenn Ihnen häufiges Kratzen und/oder sogar wunder Stellen und Fellverlust auffallen, sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen.
  • Käfiggröße: Oftmals wird zu den Mäusen gleich auch ein Käfig im Laden gekauft, der leider in den meisten Fällen zu klein und nicht für Mäuse geeignet ist. Wie ein guter Käfig beschaffen sein sollte, lernen Sie hier: Das Farbmausheim und Das Rennmausheim.

:!: Bei allen Fragen und Problemen können Sie sich auch jederzeit an das Forum unserer Seite wenden, wo sie gerne von kompetenten und langjährigen Halter beraten werden.

 
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bezugsquelle/zooladen.txt · Zuletzt geändert: 2013/05/27 03:09 von jaw
 
 
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