Klimatische Bedingungen zur Farbmaushaltung


Gesetzliche Grundlagen

Es gibt einige gesetzliche Richtlinien zur Haltung von Tieren, darunter auch Farbmäuse. Am bekanntesten ist wohl das Gutachten des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren. Dieses Gutachten wurde im Jahre 2014 überarbeitet.
An dieser Stelle müssen wir uns aber ganz klar von dem Gutachten distanzieren, da die klimatischen Bedingungen die dort für die Haltung von Farbmäusen genannt werden gänzlich ungeeignet sind:

Tiere der gemäßigten Breiten (einheimische Mäuse, Hamster, Mongolische und Persische Rennmaus) können in unbeheizten Räumen gehalten werden.
(Quelle: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren von 2014 auf Seite 140)


Besser geeignet sind die Merkblätter der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (kurz TVT). Dort steht:

Das Mäuseheim muss an einem ruhigen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung aufgestellt werden. Zugluft, starke Wärme, Raucherluft und laute Musik sind zu vermeiden.
(Quelle: Merkblatt Mäuse http://www.tierschutz-tvt.de/merkblaetter.html


Durch ihre geringe Körpermasse sind Farbmäuse sehr sensibel was Temperaturschwankungen betrifft.
Die „Wohlfühltemperatur“ von Farbmäusen liegt zwischen 19°C und 23°C, optimal sind konstante 21°C.
Um die Gesundheit der kleinen Nager nicht zu gefährden sollte die Temperatur aber nie unter 18°C oder über 24°C liegen. Außerhalb dieses „Wohlfühlbereichs“ drohen den Tieren Erfrierungen oder ein Hitzschlag.
Zudem kann ihr ohnehin schwaches Immunsystem bei dauerhaft zu niedrigen Temperaturen nicht mehr richtig arbeiten und die Tiere werden anfälliger für Krankheiten.
Der Halter sollte auch darauf achten, dass die Tiere keiner Zugluft oder der direkten Mittagssonne ausgesetzt sind.

Da es immer mal vorkommen kann, dass im Winter die Heizung ausfällt oder es im Sommer einfach viel zu warm wird, gibt es auch ein paar Tricks um den Mäusen ein wenig Wärme oder Kühlung zu verschaffen.
:!: Selbst bei hohen Temperaturen im Sommer sollten die Tiere keiner Zugluft ausgesetzt werden. :!:

Mäuse und Sommerhitze - wie schafft man Abkühlung?

Insbesondere in Dachgeschosswohnungen führen hohe Außentemperaturen in den Sommermonaten zu Raumtemperaturen, die offensichtlich nicht mehr in einem für Mäuse vertretbarem Rahmen liegen.
Mäuse sind als Folge der Domestizierung an Raumtemperaturen um 20°C gewöhnt und können höhere (und auch tiefere) Temperaturen nur schwer bewältigen. So kommt es im Sommer durch hohe Raumtemperaturen immer wieder zu einer Häufung von Todesfällen, oder Mäusen mit Hitzschlag-Symptomatiken.

Standort des Mäuseheimes

Grundsätzlich sollten Mäuseheime keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
Bei der Wahl des Standortes sollte zudem möglichst ein Raum bevorzugt werden, der sich im Sommer so wenig wie möglich aufheizt (nach Norden ausgerichtete Räume). Übliche Methoden wie Verdunkelung tagsüber durch Rollos und nächtliches, zugfreies Lüften sind selbstverständlich.
Ein Standort unmittelbar neben wärmeabgebenden Elektrogeräten (PC, Fernseher, Kühlschrank etc.) ist ebenfalls zu vermeiden.

Kühlung verschaffen

Folgende Methoden, den Mäusen die Hitze zu erleichtern, haben sich bewährt:

Steine und Fliesen:

Kühlender Krug Steine werden den Mäusen ohnehin gern zur Verfügung gestellt, da sie gut geeignet sind, den Krallenabrieb zu fördern. Bei hohen Raumtemperaturen kann man die Steine für kurze Zeit in den Kühlschrank (oder das Gefrierfach) legen und den Mäusen somit eine Kühlungsquelle zur Verfügung stellen.
Die Oberfläche sollte jedoch nicht soweit heruntergekühlt werden, dass an der Oberfläche Kondenswasser entsteht, da dies die Gefahr von Atemwegserkrankungen und Schimmelbildung im Käfig erhöht.

An Stelle von Steinen oder Fliesen, die man in den Kühlschrank legt, kann man auch die Verdunstungskälte ausnützen, die bei unglasierten, mit Wasser gefüllten Steingutkrügen auftritt. Das Wasser dringt dabei in den porösen Ton des Krugs ein und führt an der Aussenfläche zu einer verdunstung, wodurch der ganze Krug samt Inhalt auf bis zu 10°C herunter gekühlt wird. Dieser Kühleffekt tritt auch bei Temperaturen von über 30°C noch auf. So ein Krug hat gegenüber den Steinen und Fliesen den Vorteil, dass er den Tieren Kühlung verschafft, so lange Wasser darin enthalten ist. Das kann je nach Wetterlage tage- oder sogar Wochenlang sein. Die Mäuse können sich dann aussen an die Tonoberfläche anschmiegen, und somit Kühlung verschaffen.

Man muss dabei allerdings auf mehrere Dinge besonders Acht geben:

  1. Der Krug muss so gesichert sein, dass keine Maus hinein gelangen kann, denn darin würde sie unweigerlich ertrinken.
  2. Ein sicherer Stand ist sehr wichtig. Der Krug darf weder unterbuddelt noch zum Umfallen gebracht werden können. Besonders bietet sich dabei ein Podest an, das über die Einstreu hinaus ragt und mit Stützen sicher am Käfigboden auf sitzt,
  3. Da sich am Boden des Kruges Schwitzwasser bilden kann, sollte man einen wasserdichten Untersatz verwenden, da sich sonst ggf. Schimmel bilden könnte. Einstreu sollte aus diesem Grund unter dem Krug tunlichst vermieden werden.
  4. zu guter Letzt darf der Krug nicht undicht sein - es darf zwar Feuchtigkeit in den Ton eindringen, aber nicht auslaufen. Sonst wäre schimmelndes Streu/Heu die Folge.


Tonhöhlen

Abkühlung in Tonamphore Gegenstände aus Ton (Tonhöhlen, Blumentöpfe, Amphoren) sind preiswert und besitzen ein natürliches Kältespeichervolumen. Auch diese kann man im Kühlschrank für einige Minuten kühlen.

Kühlakkus

Handelsübliche Kühlakkus bestehen aus Kunststoff mit einem eingefüllten Kältemittel. Sie dürfen niemals innerhalb des Käfigs zum Einsatz kommen, da die Gefahr des Anknabberns und einer folgenden Vergiftung besteht. Man kann diese Kühlakkus jedoch an einer unerreichbaren Stelle von außen auf oder an den Käfig legen.
Einen „Kühlakku“ kann man auch selbst bauen, indem man z.B. ein Marmeladenglas mit Eiswürfeln füllt und etwas Salz hinzugibt, dann festverschlossen in das Gehege stellen.

feuchte Tücher

In ausreichender Entfernung zum Käfig kann man einen Ventilator aufstellen, vor den man ein feuchtes Tuch hängt. Hierbei ist jedoch zu beachten, daß die Mäuse in keinem Fall der Zugluft ausgesetzt werden!

gekühltes Sandbad

Eine Schale voll geeignetem Sand kann ebenfalls im Kühlschrank vorgekühlt und dann den Mäusen angeboten werden.


Wärmequellen

Im Krankheitsfall kann unterstützend das Anbieten einer Wärmequelle hilfreich sein. Hierfür bieten sich verschiedene Möglichkeiten:

Wärmflaschen

Wärmflaschen stellen, sofern nagesicher verpackt, vermutlich die einfachste Möglichkeit dar. Problematisch sind hier das relativ schnelle Auskühlen und die Gefahr des Auslaufens, falls doch mal etwas angenagt wird.

Wasserflaschen

Mit Wasser gefüllte Flaschen sind ebenfalls ein einfaches Mittel, schnell eine Wärmequelle zu installieren. Sprudelflaschen aus Glas oder Trinkflaschen aus Metall werden mit warmem Wasser gefüllt und können direkt in den Käfig gestellt werden. Hierbei ist auf sicheren Stand zu achten und darauf, dass eventuelle Plastikverschlüsse von Trinkflaschen nicht angenagt werden können.

Rotlichtlampen

Rotlichtlampen sind prinzipiell gut geeignet. Die Mäuse müssen aber vor direktem Hineinblicken geschützt werden (zum Beispiel durch Abdecken mit einem Tuch), da es ansonsten zu Schäden an den Augen bis hin zur Erblindung kommen kann

Wärmestrahler

Wärmestrahler aus der Terraristik strahlen im Gegensatz zu den „normalen“ Rotlichtbirnen nur Wärme ab und sind somit unbedenklich für die Augen. Allerdings muss hier auf den Einsatz einer Keramikfassung geachtet werden, da die Birnen sehr heiß werden.

Heizmatten

Heizmatten sind, außerhalb des Käfig angebracht und abhängig von der jeweiligen Käfigbeschaffenheit, auch eine geeignete Möglichkeit, den Tieren etwas Wärme zukommen zu lassen. Zu beachten ist, dass die Tiere weder die Matte noch das Kabel erreichen können.

Heizsteine

Heizsteine, ebenfalls eigentlich für Terrarien gedacht, spenden zwar auch Wärme, sind aber zumeist aus Kunststoff, der angenagt werden kann. Auch das Kabel stellt eine nicht ganz ungefährliche Schwachstelle dar, sofern es nicht gesondert gesichert wird.


:!: Unabhängig von der Art der Wärmequelle muss es dem Tier immer möglich sein, sich der Wärme zu entziehen, ansonsten droht Kreislaufversagen aufgrund von Überhitzung.

Farbmäuse wollen nicht nach draußen!

Farbmäuse sind nicht für die Außenhaltung geeignet, sie holen sich bei Zugluft schnell eine Erkältung oder eine andere Atemwegserkrankung.
Wenn man sie ungeschützt auf den Balkon, die Terrasse oder in den Garten stellt, müssen sie außerdem Regen, Schnee, Hagel, Hitze, direkte Sonneneinstrahlung, Kälte und andere Wetterschwankungen ertragen, was zu Lebensverkürzung, wenn nicht sogar zu einem schlimmen gesundheitlichen Leiden bei den Tieren führen kann.

 
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farbmaus/klima.txt · Zuletzt geändert: 2014/05/25 21:00 von mmotchen_gmx.de
 
 
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