Nachdem man sich eine Gruppenkonstellation überlegt hat, die man selbst für aussichtsreich hält, stellt sich natürlich die Frage, wie man die Mäuse am geschicktesten zusammenbringt.
Vorweg sei vom leider noch allzu oft praktizierten „Einfach dazusetzen“ abgeraten. Mäuse markieren den Käfig als ihr Revier und vertreiben Eindringlinge sehr energisch. Die neu dazu gesetzten Tiere würden demnach vehement bekämpft, was mitunter sehr böse ausgehen kann.
Am gebräuchlichsten ist die Vergesellschaftung in mehreren Schritten.
Angefangen beim Kennenlernen auf neutralem Raum über zeitweises „Kleinsetzen“ (d.h. Zusammensetzen unter Platzmangel) und langsames Vergrößern der Unterbringung bis hin zum Endkäfig bringt dieser Weg durch die stufenweise Aneinandergewöhnung der Tiere zumeist sicheren Erfolg. Geeignet ist er für „normale“ Konstellationen mit nicht besonders aggressiven Tieren. Die schrittweise Aneinandergewöhnung stellt das langjährig erprobte und bewährte Standardverfahren der Farbmausvergesellschaftung dar.
Ein wichtiges Prinzip ist die Mitnahme des neuen Gruppenduftes, d.h. aus jeder der Stationen muss das eingepinkelte Streu und Nistmaterial auch mit in die nächste Station genommen werden um den Tieren die Annahme des gemeinsamen Gruppengeruchs zu erleichtern.
Auf allen Stationen müssen die Tiere ausreichend frisches Wasser und Körnerfutter zur Verfügung haben. Lediglich ganz am Anfang, z.B. in der Badewanne, kann es ratsam sein, zumindest den Wassernapf erst hineinzustellen, wenn sich die erste Aufregung gelegt hat und die Mäuse nicht mehr ständig durch das Wasser laufen.
Die Schritte im einzelnen:
Manchmal kann es vorkommen, dass die Tiere sich wieder intensiv zu beschnuppern anfangen, sich kurz nachjagen oder auch mal quitschen, wenn sie sich bedrängt fühlen, obwohl sie dieses Verhalten auf den vorherigen Etappen der Vergesellschaftung nicht gezeigt haben. Dieses Verhalten ist normal. Durch die ungewohnte Situation zB in der Badewanne und die beengten Verhältnisse in der Transportbox kann es sein, dass dieses Verhalten „unterdrückt“ wurde und erst auftritt, wenn etwas mehr Platz zur Verfügung gestellt wird. Weitere Informationen zum Sozialverhalten unter Farbmäusen finden Sie hier: Infos zum Sozialverhalten.
Ein Problem bei dieser Methode der Vergesellschaftung ist der lange Zeitraum, über den sie sich erstreckt, die vielen neuen Käfige, die die Tiere in dieser Zeit kennenlernen müssen und die große Stressbelastung, die daraus für sie resultiert. Deshalb kann man bei sehr friedlichen Gruppen die Zwischenschritte teilweise auch weglassen und sie nach der Transportbox direkt den frisch gereinigten und geruchsneutralen Käfig beziehen lassen. Dies gilt aber wirklich nur für Gruppen, deren Sozialverhalten man genau kennt und die man dementsprechend gut einschätzen kann.
Häufig stellt sich die Frage, in welcher Reihenfolge während und nach einer Vergesellschaftung Inventar und Einrichtungsgegenstände hinzugegeben werden können, ohne dass die Mäuse sich um ein Stück streiten müssen. Hierbei haben sich mit der Zeit und der Erfahrung hilfreiche Kategorien ergeben:
Die hier beschriebenen Verfahren stellen lediglich eine vorbereitende Ergänzung des Standardverfahrens da und sind in der Praxis sehr ungebräuchlich.
Von allen weiteren Methoden wie dem Beträufeln mit Parfüm, dem Baden der Tiere in irgendwelchen Substanzen (Erkältungsgefahr!) oder auch dem Einreiben mit ätherischen Ölen ist abzuraten. Abgesehen vom immensen Stress, den es für die Tiere mit sich bringt, auf einmal vollkommen eingenebelt zu sein - schließlich riechen sie um ein vielfaches intensiver als wir - sind Nebenwirkungen, allergische Reaktionen oder ähnliches kaum erforscht und eine Giftigkeit deshalb nicht auszuschließen.
Es besteht immer die Möglichkeit, dass sich trotz korrekter und langsamer Vergesellschaftung und entsprechender Inventarzugabe eine Mäusegruppe oder auch nur Einzeltiere dauerhaft nicht verstehen. Dies gilt für Vergesellschaftungen von reinen Weibchengruppen ebenso wie für Weibchen-Kastraten-Vergesellschaftungen. Natürlich kann man dann in der Vergesellschaftung einen Schritt rückwärts gehen, die Gruppe nochmal in einen kleineren Käfig setzen, ein Stück ihres Käfigs abtrennen, Inventar mit besonderem Streitpotential wieder entfernen usw.
Man sollte allerdings im Hinterkopf haben, dass es Fälle gibt, in denen trotz dieser erweiterten Maßnahmen Tiere einfach nicht zusammen leben möchten. Es kommt dann dauerhaft und auch nach Tagen/Wochen noch zu Jagereien, viel Gequietsche, Schwanztrommeln, im schlimmsten Fall sogar zum Kugeln und Beissen. Getrenntes Schlafen in verschiedenen Nestern ist ein mögliches Anzeichen, kann aber auch ganz harmlos sein.
Haben Sie deshalb bei Farbmausvergesellschaftungen immer einen „Plan B“ - zur Not muss eine weitere Gruppe eröffnet werden, in die besonders aggressive oder gemobbte Tiere ausweichen können. Natürlich nicht in Einzelhaft, sondern in Gesellschaft von Tieren, mit denen ein friedliches Auskommen möglich ist. Um dies zu beurteilen, ist eine gute Beobachtungsgabe des Halters erforderlich, damit auch wirklich die richtigen Tiere aus der Gruppe herausgenommen werden.
— Sarah Kremeyer 17.05.2006 13:08., ergänzt durch Johanna Richter