"Rasieren"

zwangsgeputzte Maus

„Rasieren“ bedeutet, dass einer Maus durch überfürsorgliches Putzen eines Artgenossen die Haare ausfallen oder abgebissen werden - sie wird zwangsgeputzt. Die Haut bleibt dabei unverletzt, ist höchstens leicht gerötet.

Häufig werden Stellen am Nacken, Kopf oder Rücken rasiert. Die rasierten Stellen sind dabei komplett haarlos und klar abgegrenzt. Das Zwangsputzen und der damit einhergehende Fellverlust wird auch Barbering genannt (von engl. to barber = rasieren).

Die Mäuse, die rasiert werden, stehen häufig niedrig in der Rangordnung. Das Rasieren ist dennoch eine mehr oder weniger friedliche Art, die Rangordnung zu demonstrieren und zu erhalten. Rasieren ist zwar relativ selten, gehört aber zum Spektrum der normalen Dominanzgesten. Nach anderer Ansicht stellt es ein Fehlverhalten (Stereotypie) dar.

In seltenen Fällen wird mehr als eine Maus oder ganz selten die gesamte Gruppe durch den Übeltäter rasiert, der dann daran zu erkennen ist, dass er als einziger keine kahlen Stellen aufweist.
Der aufmerksame Halter wird neben den äußerlichen Anzeichen der Rasur auch das z. T. recht laute Putzfiepen hören können, wenn Mäuse rasiert und die Haare abgeknabbert werden.

Es gibt auch Mäuse, die sich selber rasieren, insbesondere an der Körper(unter)seite.

Gegen das „Rasieren“ kann der Halter wenig machen, häufig geraten wird:

  • mit Salben auf dem Fell der rasierten Maus versuchen, den „Rasierer“ abzuhalten → bringt in den meisten Fällen gar nichts, da die Maus sofort wieder anfängt, wenn man die Salbe absetzt; außerdem wird die rasierte Maus durch diese „Behandlung“ nur gestresst und in ihrem Putztrieb herausgefodert
  • die rasierte Maus mit Lebensmitteln eincremen, die nicht gut schmecken → gleicher Fall wie bei Salben. Zudem birgt diese Methode die Gefahr, dass die eingesalbte Maus aus der Gruppe gestoßen wird. Auch diese „Behandlung“ ist furchtbarer Stress für das Tier
zwangsgeputzte Maus mit kahlen Stellen
  • den Rasierer für ein paar Tage aus der Gruppe nehmen → bringt nichts als Einsamkeit und evtl. Stress, zumal man häufig nicht abklären kann, welche Maus rasiert.
  • Vergrößerung des Geheges: das Rasieren steht im Verdacht, in zu kleinen Käfigen im Sinne einer Verhaltensstörung aufzutreten → eine Unterbringung in einem artgerechten, großen Käfig kann möglicherweise Abhilfe schaffen
  • Veränderung der Gruppenstruktur → ein verändertes Sozialgefüge kann, muss aber keine Abhilfe schaffen

:!: Das wirksamste Mittel ist Warten, dass der „Rasierer“ wieder aufhört. Das kann genauso plötzlich passieren, wie es angefangen hat oder aber erst mit dem Tod der Rasier-Maus enden.



Spezialfall: Vibrissenverlust

vorher: Farbmaus mit intakten Vibrissen und Fell im Schnauzenbereich
nachher:Farbmaus ohne Vibrissen und Fell im Schnauzenbereich

Für die rasierte Maus stellt im Gegensatz zu rasierten Stellen an Kopf, Nacken und Rücken speziell der Verlust der Tasthaare im Gesicht eine Beeinträchtigung ihrer Orientierungsfähigkeit dar. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Tiere in den meisten Fällen im Stande sind, diese Beeinträchtigung zu kompensieren und sich ganz normal im Käfig zurechtzufinden.

 
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farbmaus/rasieren.txt · Zuletzt geändert: 2014/06/21 09:20 von mus_musculus
 
 
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