Kratzmaus Leon

29.08.2008

[Leon mit großer Wunde hinter dem Ohr - 27.08.2008] Leon ist ein Kastrat in einer stabilen Gruppe. Er wurde einmal als Jungtier und einmal vor 4 Monaten vergesellschaftet. Er ist wohlgenährt, war in seinem Leben bisher nie krank und ist 21 Monate alt. Auf dem Rücken hat er seit einigen Wochen eine winzige Stelle, etwas verschorft, die ich bisher nicht ernst genommen habe, nun aber eventuell in einem anderen Zusammenhang sehen muss (er kratzt da allerdings nicht daran - Fell steht minimal hoch an der Stelle, darunter ist die Haut etwas…schuppig/schorfig…schwer zu sagen)

Keine andere Maus in der Gruppe zeigt irgendwelche vergleichbaren Symptome.

Vor 12 Tagen kratzte er sich in einer, maximal zwei Nächten unterhalb des linken Ohres (wäre beim Menschen seitlich am Hals, unterhalb des Ohrläppchens) eine kleiner-Fingernagel-große wunde ins Fleisch. Es ist also rohes, offenes Fleisch zu sehen. Er ist sehr unruhig, hat seither auch abgenommen. Er kratzt nur an der Stelle. In den ersten tagen war das Ohr noch vollkommen in Ordnung (hell rosa, kein Ausfluss), dann kratzte er auch am Ohr - seither fehlt ca. ein viertel der äußeren Ohrmuschel. Der Rand ist schwarz-nekrotisch. Die Wunde selber ist mittlerweile zwei Daumennagel groß, erstreckt sich unten Richtung Kinn, quasi auf sein Vorderbeinchen zu. Dafür, dass sie so tief ist, blutet sie erstaunlicherweise NICHT in strömen. Sieht auch nicht entzündet aus.

Behandlung bisher - offensichtlich erfolglos:

  • 15.8. stronghold (am Abend des Entdeckens)
  • 16.8. bis heute baytril
  • 16.8 bis heute 2 tropfen metacam oral
  • 16.8. 0,05ml voren-depot (cortison) - wirkt 7-10 tage
  • 20.-24.8. 2 tropfen fenistil (danach mochte er oral nicht mehr)
  • 26.8. mit advocate gepunktet

Einmal hab ich die wunde mit fuciderm eingesalbt, was ihn in einen Kratzrausch versetzt hat. Von Salben halte ich daher gar nichts, wenn, dann müsste ich ihn mindestens 30 Minuten auf mir rumturnen lassen und ihn ablenken. Für eine Maus, die zwar nicht panisch ist, aber den mensch nur als Körnergeber aus Entfernung kennt, alles nicht sehr angenehm.

Das cortison- und Schmerzmittel halte ich wegen der Abstellung von Juckreiz und Schmerzen für das Mittel der Wahl. Es hat zwar bei Leon (noch) nicht gewirkt, trotzdem halte ich ungeachtet aller möglichen Nebenwirkungen diesen Ansatz für vielversprechend bei der Therapie von Kratzmäusen. Ist so ein Bauchgefühl.
Ich wechsele von baytril zu marbofloxacin, dazu nekrolyt. Weiterhin Schmerzmittel. Wahrscheinlich nochmal cortison, auch wenn die Tierärztin meinte, es habe ja bisher nichts gebracht.
Noch eine Anmerkung: natürlich können Medikamente untereinander Wechselwirkungen haben (auch negativ), oder unerkannte Grunderkrankungen der Maus irgendwie verschlimmern. Ich glaube halt nur, dass die Maus keine Zeit hat, um sachte mit Homöopathie und schön eins nach dem anderen herumzuprobieren.

30.08.2008

Er wird mir gegenüber misstrauischer und nimmt keine Medikamente mehr vom Löffel. Hab ihm also metacam und marbofloxacin über das Fell gegeben, was ihn auch gleichzeitig vom kratzen abhielt.

[Große Wunde, mit Salbe eingeschmiert - 31.08.2008]

31.08.2008

Die Wunde wird mal definitiv größer. ich sehe das im Zusammenhang mit dem einsalben (3 mal necrolytan) - und werde das schön bleiben lassen, zumal ich es ihm nur unter Anwendung grober Gewalt aufbringen kann (Nackengriff und mit Angst, meinen Finger zu verlieren).
Nach 10 Minuten auf mir rumrasen setze ich die Maus dann in den Käfig zurück.

01.09.2008

Er hat seither (15.8.beginn) 14 Gramm abgenommen - ich sehe ihn hektisch Fressen. Dann muss er weiterrasen und kratzen. Er buddelt noch Häuschen zu, nimmt am Gruppenleben teil und pennt bei den anderen, manchmal allein.
Ich lasse ihm heute vom Tierarzt convenia spritzen, auf irgendwelches eingesalbe wird verzichtet, stattdessen ein erneuter versuch mit Schmerzmittel und fenistil oral (irgendwie per Trickserei und Brei….), propolis und ney ling. Einfach ins blinde rein probieren. Dazu vielleicht noch die Gruppe auf Zellstoff umsetzen.
Beim Tierarztbesuch wurde eine Fellprobe genommen und untersucht - es ist kein Hautpilz. Trotzdem bekam er (zu meiner Beruhigung) ein Breitbandpilzmittel.

04.09.2008

Am 2.9 wurde dann die ganze Gruppe auf Zellstoff umgesetzt und der Käfig vorsichtshalber mit Essig gereinigt.
Ich sehe ihn nur abends kurz (er steht erst gegen Mitternacht auf), dann rennt er rum und macht sehr schön seinen Mäusekrams. Die Wunde ist dunkelrot, und scheint zumindest mal nicht größer zu werden - was ich darauf zurückführe, dass ich nicht weitersalbe und seinen Kratzzwang nicht weiter anstachele.
[Es wirkt zwar so, aber die Wunde ist nicht kleiner geworden, auch nicht größer. Die Kratzwunden am Ohr sind auch nicht mehr da. - 12.09.2008  ]

10.09.2008

Ich habe ihn gestern seit einigen Tagen mal wieder auf der Hand gehabt und war einigermaßen zufrieden: die Wunde ist NICHT größer geworden, sah hell rosa aus, nicht mehr so rot/fleischig. In der Mitte scheint ein kleines Loch allerdings etwas suppig zu sein, ich gucke heute Abend nochmal. Er hält sein Gewicht (ein wichtiges Kriterium für mich!) und sieht auch sonst gut aus. In einigen Tagen bekommt er seine zweite Ladung program, dann in zwei Wochen nochmal. Eventuell kriegt er auch nochmal convenia und cortisondepot, das muss ich mit der Tierärztin besprechen.

12.09.2008

Heute ist es genau 4 Wochen her, dass ich Leons Wunde gefunden habe.

Komme eben vom Tierarzt: sie ist recht zufrieden mit der Wunde, vom Rand her sauber, in der Mitte bildet sich anscheinend „wildes fleisch“, was neben anderen Indizien dafür spricht, dass Leon weniger kratzt (ich sehe ihn nur wenig kratzen und er hält sein Gewicht, außerdem sieht die Wunde nicht mehr so eklig „fleischig-rot“ aus). An manchen Stellen sieht es ein wenig feucht aus, aber ich soll nichts draufpudern (z.B. chlorhexidin-puder).

Er hat eben nochmals convenia-depot gespritzt bekommen, dazu kriegt er heute das zweite Mal stronghold, außerdem steht noch einmal advocate und zweimal program-gabe (lufenuron gegen Pilz) aus.

15.09.2008

[Leons Wunde ist viel kleiner geworden - 15.09.2008] [Die Wunde wird kleiner und kleiner - 21.09.2008]

21.09.2008

Er kratzt nicht mehr, am Anfang hat er sogar noch auf der Hand gekratzt.

03.10.2008

Meine Damen und Herren - wie Sie sehen, sehen Sie nichts!
Leons Wunde ist nun komplett verheilt und es geht ihm blendend. [Leons große Wunde ist vollständig verheilt - 03.10.2008]
Hier nochmal eine Auflistung aller verabreichten Medikamente und Maßnahmen:

  • Beginn und Entdeckung der Kratzwunde am 15.8.

Antiparasitika

  • stronghold: gepunktet am 15.8. & 12.9.
  • advocate (verdünnt mit propyenglykol): gepunktet am 26.8. & 23.9.

Antimykotika

  • program (lufenuron): je 0,02ml oral am 3.9. & 17.9. & 30.9.

Cortison

  • voren-depot (langzeit-cortison mit Depotwirkung ca 10 tage): hochdosiert 0,05ml s.c. 1) am 16.8. & 26.8.

Antibiotika

  • baytril: 16.8. bis 28.8.
  • dann auf marbocyl gewechselt, aber nur drei Tage gegeben: 29.-31.8
  • danach wechsel auf convenia (Antibiotikum mit Depotwirkung): je 0,03ml s.c. am 1.9. & 12.9.

Schmerzmittel, Mittel gegen Juckreiz, Salben

  • Schmerzmittel metacam: 16.8 bis 28.8. hochdosiert 2 Tropfen oral
  • fenistil: 20.-24.8. 2 Tropfen oral, danach mochte er nicht mehr
  • Salbe nekrolytan: 28.8.-31.8.

Sonstige Maßnahmen

  • 1.9. umgesetzt von streu auf Zellstoff/Zeitung, Essigreinigung des Geheges - die Gruppe sitzt seither auf Papier, kein Heu, kein Streu



Mitte Oktober hat die Gruppe eine Etage wieder eingestreut bekommen (Allspan) und ist auch sofort dorthin zum Schlafen umgezogen.
Bei Leon gab es keine Reaktionen auf die Streu.
Am 13.november habe ich deshalb alles wieder mit Einstreu vollgemacht.
Jeon ist am 6.11. zwei jahre alt geworden und bis auf eine doofe Schnatterei, die er nun im Alter entwickelt (was soll das denn!?) geht es ihm gut.


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1)
subkutan = Unter die Haut gespritzt

farbmaus/kratzmaus_leon.txt · Zuletzt geändert: 2019/02/28 10:30 (Externe Bearbeitung)